Im Flüchtlingslager Traiskirchen
Das Areal des heute offiziell als Bundesbetreuungsstelle Ost bezeichneten Flüchtlingslagers in Traiskirchen war ursprünglich eine k. u. k. Artilleriekadettenschule zur Offiziersausbildung der österreichisch-ungarischen Armee. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie diente das Gebäude als Bundeserziehungsanstalt; in der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Institution als »Nationalpolitische Erziehungsanstalt« weitergeführt. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges übernahm die Rote Armee den Komplex und richtete hier eine Kaserne ein. Der Ungarnaufstand 1956 löste dann eine große Flüchtlingswelle nach Österreich aus, womit der Anlage in Traiskirchen eine neue Funktion zukam. Als im November 1956 über 100.000 Menschen ins Land kamen, konnten zeitweise über 6000 Flüchtlinge in Traiskirchen untergebracht werden. In den Folgejahren wurde das Lager von der Republik Österreich als offizielle Betreuungsstelle weitergeführt. Am 3.Oktober 1964 verschaffte sich der sozialdemokratische Innenminister Hans Czettel vor Ort einen persönlichen Eindruck über den Renovierungs- und Ausbaubedarf des Flüchtlingslagers, das damals schon die größte derartige Einrichtung in Österreich war.