Ganz dem expressionistischen Stil verpflichtet, stellt der bereits dritte Film des – heute würde man sagen – Golem-Franchises eine schablonenhafte Parabel auf Macht und Gewalt dar: Als der Kaiser die Juden von Prag zum Verlassen der Stadt auffordert, erweckt Rabbi Löw einen Golem aus Lehm zum Leben, der sein Volk schützen soll – jedoch mit verheerenden Folgen … Verzerrte Räume, schiefe Perspektiven, unruhige Körper – dieser Golem, den Wegener mit dem Bildhauer Rudolf Belling kreiert hat, wird zur Projektionsfläche kollektiver Angst und Hoffnung, Bedrohung und Schutz. Aus heutiger Sicht wirkt die Figur wie ein Vorbote künstlicher Intelligenz: ein System, an das wir Handeln delegieren, ohne es vollständig kontrollieren zu können.
(Florian Widegger)
Di 12.5.: Einführung und Buchpräsentation Körper aus Staub, Blick aus Licht: Der Golem im Kino von Klaus Davidowicz, in Kooperation mit der IKG Wien, freier Eintritt für FAA-Clubmitglieder mit Begleitung