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Retrospektive
Tribute to Jerry Lewis

Für die einen gilt er als Inbegriff des neurotischen Slapstickers, für die anderen ist er ein radikaler Erneuerer der Filmkomödie. Vermutlich war er stets beides zugleich – und noch mehr: Schauspieler, Regisseur, Autor, Theoretiker seines eigenen Spiels. Kaum ein Komiker hat so kompromisslos an einer Form gearbeitet und dabei so viele Irritationen aus- gelöst wie Jerry Lewis (1926–2017) – eine jener Figuren der Filmgeschichte, deren Bedeutung sich erst jenseits einfacher Zuschreibungen erschließt.

Seinen Durchbruch feiert er 1946 an der Seite von Dean Martin. Zunächst auf der Bühne, später im Radio, dann im Fernsehen und auf der Kinoleinwand verkörpert das Duo zwei gegensätzliche Prinzipien: dort der scheinbar mühelose Rat-Pack-Charme, hier eine eruptive Körperlichkeit, die das Scheitern zum performativen Zustand erhob. Nach der Trennung Mitte der 1950er-Jahre beginnt für Lewis jene Phase, in der er aus dem Bedürfnis heraus, Rhythmus, Raum und (Gag-)Architektur präzise zu steuern, die Kontrolle über seine Filme zunehmend selbst übernimmt. Als Regisseur entwickelt er eine unverwechselbare Handschrift: sorgfältige Choreografien, obsessive Arbeit mit Sets und Sounds sowie ein Humor, der weniger auf Pointen abzielt, sondern auf Überforderung.

Zentral ist dabei Lewis’ Spiel mit dem eigenen Körper. Seine Figuren sind nie souverän, sondern permanent fehl am Platz. Seine Komik entsteht aus der Reibung zwischen Anpassung und Verweigerung, Selbstbild und Zuschreibung, Avantgarde und Populärkultur. In Filmen wie THE NUTTY PROFESSOR wird diese Spaltung explizit, wenn Lewis sich vom schusseligen Chemieprofessor in den Mädchenschwarm Buddy Love verwandelt (und damit auf seinen früheren Partner verweist): Humor und Melancholie liegen nahe beieinander. Dass Lewis in Europa früher und nachhaltiger als Auteur an- erkannt wurde als in seiner Heimat, ist kein Zufall: Französische Kritiker sahen in seinen »zersplitterten« Rollen einen tiefgründigen Kommentar zur Entfremdung des Subjekts im kapitalistischen Amerika.

Späte Rollen wie etwa THE KING OF COMEDY brechen das Image des ewigen Spaßmachers auf und lassen ihn als Resonanzkörper für eine Welt erscheinen, in der Öffentlichkeit, Ruhm und Einsamkeit untrennbar verschränkt sind.

Anlässlich seines 100. Geburtstags präsentieren wir einen kleinen Querschnitt durch Lewis’ Schaffen, der versucht, seiner widersprüchlichen wie nachhaltigen Figur gerecht zu werden und für den die Österreich-Premiere eines neuen Dokumentarfilms rund um sein gescheitertes Herzensprojekt THE DAY THE CLOWN CRIED den Auftakt bildet.
(Florian Widegger)

Mo, 9. März - Di, 7. April
Mo, 9.3., 18:30
Tribute to Jerry Lewis
From Darkness to Light
Nach wie vor ist THE DAY THE CLOWN CRIED aus dem Jahr 1972 so etwas wie der heilige Gral der Filmgeschichte. Ein Projekt, mit dem Jerry Lewis als Regisseur und Schauspieler etwas völlig Unerwartetes wagen wollte: Die Geschichte eines Clowns, der Kindern im Konzentrationslager ihre letzten Momente vor ihrer Ermordung erleichtern sollte. FROM DARKNESS TO LIGHT zeichnet anhand von Interviews und Archivmaterial die ambitionierte wie fatale Entstehungsgeschichte des unvollendeten Films nach und versc
Di, 10.3., 20:00
Tribute to Jerry Lewis
The Ladies Man
Das legendäre, komplett offene Puppenhaus-Set ist weniger Kulisse als einzigartiges Labor für Lewis’ Komik. Hier durchmisst er Bewegungen, Blicke und Missverständnisse über mehrere Ebenen hinweg und macht Architektur zum Motor des Humors. Ein radikaler Entwurf von Kino als Raumkomposition. Als schüchterner Junggeselle stolpert er zwischen Überforderung, Fluchtreflex und kindlicher Neugierde durch ein Haus voller angehender Schauspielerinnen – der einzige Mann unter 31 Frauen. (Florian Widegger)
Mi, 11.3., 18:00
Tribute to Jerry Lewis
Artists and Models
Eine grelle Satire als ideales Schaufenster für Jerry Lewis’ anarchische Seite – und zugleich ein Schlüssel zum Verständnis seines Verhältnisses zu Dean Martin: Als Comic-Fanatiker, der selbst im Schlaf Superheldenfantasien auslebt, treibt Lewis seinen Körper an die Grenze der Kontrollierbarkeit. Martin fungiert dabei als (scheinbar) souveräner, cooler Gegenpol, während Tashlins Looney-Tunes-Vergangenheit in der Cartoon-artigen Inszenierung voll durchschlägt. Realität wird dehnbar und Gags gehor
Mo, 16.3., 20:00
Tribute to Jerry Lewis
The Nutty Professor
Der tollpatschige und unglücklich verliebte Professor Julius Kelp (Markenzeichen: Hasenzähne & dicke Hornbrille) ist ein Versager, wie er im Buche steht. Nun hat er allerdings ein Serum entwickelt, das ihn in sein attraktives wie monströs-selbstverliebtes Alter Ego Buddy Love verwandelt. Doch der Zustand dauert immer nur für kurze Zeit an … THE NUTTY PROFESSOR gilt als Lewis’ bekanntestes Werk: Angelehnt an Dr. Jekyll & Mr. Hyde reflektiert er dabei die Minderwertigkeitskomplexe seiner F
Di, 17.3., 18:00
Tribute to Jerry Lewis
The Ladies Man
Das legendäre, komplett offene Puppenhaus-Set ist weniger Kulisse als einzigartiges Labor für Lewis’ Komik. Hier durchmisst er Bewegungen, Blicke und Missverständnisse über mehrere Ebenen hinweg und macht Architektur zum Motor des Humors. Ein radikaler Entwurf von Kino als Raumkomposition. Als schüchterner Junggeselle stolpert er zwischen Überforderung, Fluchtreflex und kindlicher Neugierde durch ein Haus voller angehender Schauspielerinnen – der einzige Mann unter 31 Frauen. (Florian Widegger)
Mi, 18.3., 18:00
Tribute to Jerry Lewis
The King of Comedy
Better to be king for a night than schmuck for a lifetime. Einmal im Rampenlicht stehen, berühmt sein, das Publikum zum Lachen bringen – der große Traum eines kleinen Mannes, der Rupert Pupkin heißt, allein in seinem Keller Witze reißt und dabei wirkt wie ein Verwandter von Travis Bickle und Norman Bates. Er möchte um jeden Preis so sein wie Jerry Langford, der König der Talkshow-Hosts: ein Entertainer der alten Schule, doch abseits der Kamera eine echte Spaßbremse – de facto das unerreichbare Z
So, 22.3., 17:30
Tribute to Jerry Lewis
Artists and Models
Eine grelle Satire als ideales Schaufenster für Jerry Lewis’ anarchische Seite – und zugleich ein Schlüssel zum Verständnis seines Verhältnisses zu Dean Martin: Als Comic-Fanatiker, der selbst im Schlaf Superheldenfantasien auslebt, treibt Lewis seinen Körper an die Grenze der Kontrollierbarkeit. Martin fungiert dabei als (scheinbar) souveräner, cooler Gegenpol, während Tashlins Looney-Tunes-Vergangenheit in der Cartoon-artigen Inszenierung voll durchschlägt. Realität wird dehnbar und Gags gehor
Mo, 23.3., 20:45
Tribute to Jerry Lewis
Arizona Dream
Axel lässt New York hinter sich und strandet in der Wüste Arizonas. Dort soll er das Geschäft seines Onkels übernehmen und gebrauchte Cadillacs verkaufen, lernt aber bald eine Witwe und ihre Stieftochter kennen, die beide genauso aus ihren Leben ausbrechen möchten wie er selbst … Kusturica erzählt Amerika als schiefes Märchen aus europäischer Distanz: melancholisch, exzessiv und von surrealen Einfällen durchzogen. Untermalt von Goran Bregovićs schwebender Musik verschwimmen Realität und Phantasi
Fr, 27.3., 19:30
Tribute to Jerry Lewis
The Nutty Professor
Der tollpatschige und unglücklich verliebte Professor Julius Kelp (Markenzeichen: Hasenzähne & dicke Hornbrille) ist ein Versager, wie er im Buche steht. Nun hat er allerdings ein Serum entwickelt, das ihn in sein attraktives wie monströs-selbstverliebtes Alter Ego Buddy Love verwandelt. Doch der Zustand dauert immer nur für kurze Zeit an … THE NUTTY PROFESSOR gilt als Lewis’ bekanntestes Werk: Angelehnt an Dr. Jekyll & Mr. Hyde reflektiert er dabei die Minderwertigkeitskomplexe seiner F
Sa, 28.3., 18:30
Tribute to Jerry Lewis
The King of Comedy
Better to be king for a night than schmuck for a lifetime. Einmal im Rampenlicht stehen, berühmt sein, das Publikum zum Lachen bringen – der große Traum eines kleinen Mannes, der Rupert Pupkin heißt, allein in seinem Keller Witze reißt und dabei wirkt wie ein Verwandter von Travis Bickle und Norman Bates. Er möchte um jeden Preis so sein wie Jerry Langford, der König der Talkshow-Hosts: ein Entertainer der alten Schule, doch abseits der Kamera eine echte Spaßbremse – de facto das unerreichbare Z
Do, 2.4., 18:30
Tribute to Jerry Lewis
The Ladies Man
Das legendäre, komplett offene Puppenhaus-Set ist weniger Kulisse als einzigartiges Labor für Lewis’ Komik. Hier durchmisst er Bewegungen, Blicke und Missverständnisse über mehrere Ebenen hinweg und macht Architektur zum Motor des Humors. Ein radikaler Entwurf von Kino als Raumkomposition. Als schüchterner Junggeselle stolpert er zwischen Überforderung, Fluchtreflex und kindlicher Neugierde durch ein Haus voller angehender Schauspielerinnen – der einzige Mann unter 31 Frauen. (Florian Widegger)
Fr, 3.4., 18:15
Tribute to Jerry Lewis
The King of Comedy
Better to be king for a night than schmuck for a lifetime. Einmal im Rampenlicht stehen, berühmt sein, das Publikum zum Lachen bringen – der große Traum eines kleinen Mannes, der Rupert Pupkin heißt, allein in seinem Keller Witze reißt und dabei wirkt wie ein Verwandter von Travis Bickle und Norman Bates. Er möchte um jeden Preis so sein wie Jerry Langford, der König der Talkshow-Hosts: ein Entertainer der alten Schule, doch abseits der Kamera eine echte Spaßbremse – de facto das unerreichbare Z
Sa, 4.4., 18:30
Tribute to Jerry Lewis
The Nutty Professor
Der tollpatschige und unglücklich verliebte Professor Julius Kelp (Markenzeichen: Hasenzähne & dicke Hornbrille) ist ein Versager, wie er im Buche steht. Nun hat er allerdings ein Serum entwickelt, das ihn in sein attraktives wie monströs-selbstverliebtes Alter Ego Buddy Love verwandelt. Doch der Zustand dauert immer nur für kurze Zeit an … THE NUTTY PROFESSOR gilt als Lewis’ bekanntestes Werk: Angelehnt an Dr. Jekyll & Mr. Hyde reflektiert er dabei die Minderwertigkeitskomplexe seiner F
So, 5.4., 20:00
Tribute to Jerry Lewis
Artists and Models
Eine grelle Satire als ideales Schaufenster für Jerry Lewis’ anarchische Seite – und zugleich ein Schlüssel zum Verständnis seines Verhältnisses zu Dean Martin: Als Comic-Fanatiker, der selbst im Schlaf Superheldenfantasien auslebt, treibt Lewis seinen Körper an die Grenze der Kontrollierbarkeit. Martin fungiert dabei als (scheinbar) souveräner, cooler Gegenpol, während Tashlins Looney-Tunes-Vergangenheit in der Cartoon-artigen Inszenierung voll durchschlägt. Realität wird dehnbar und Gags gehor
Mo, 6.4., 17:00
Tribute to Jerry Lewis
Arizona Dream
Axel lässt New York hinter sich und strandet in der Wüste Arizonas. Dort soll er das Geschäft seines Onkels übernehmen und gebrauchte Cadillacs verkaufen, lernt aber bald eine Witwe und ihre Stieftochter kennen, die beide genauso aus ihren Leben ausbrechen möchten wie er selbst … Kusturica erzählt Amerika als schiefes Märchen aus europäischer Distanz: melancholisch, exzessiv und von surrealen Einfällen durchzogen. Untermalt von Goran Bregovićs schwebender Musik verschwimmen Realität und Phantasi
Di, 7.4., 18:45
Tribute to Jerry Lewis
From Darkness to Light
Nach wie vor ist THE DAY THE CLOWN CRIED aus dem Jahr 1972 so etwas wie der heilige Gral der Filmgeschichte. Ein Projekt, mit dem Jerry Lewis als Regisseur und Schauspieler etwas völlig Unerwartetes wagen wollte: Die Geschichte eines Clowns, der Kindern im Konzentrationslager ihre letzten Momente vor ihrer Ermordung erleichtern sollte. FROM DARKNESS TO LIGHT zeichnet anhand von Interviews und Archivmaterial die ambitionierte wie fatale Entstehungsgeschichte des unvollendeten Films nach und versc