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Retrospektive
Erinnerung und Vision. Kino aus Israel nach dem 7. Oktober ’23

Wie, mit welchen narrativen und ästhetischen Mitteln, kann sich die israelische Filmkultur den Ereignissen des 7. Oktober 2023 und den daraus entstehenden Folgen filmisch nähern? Wie können Schmerz und Leid, aber auch Resilienz und Hoffnung dokumentarisch und fiktional auf die Leinwand gebracht werden? Und wie kann und wird die israelische Filmkultur Erinnerung und Vision so verbinden, dass bleibende filmische Werke entstehen? Die folgende Reihe ist ein erstes Ergebnis der Zusammenarbeit mit der Jerusalem Cinematheque und konzentriert sich auf Kurz- und Langfilme, die vor allem 2024 und 2025 auf israelischen Filmfestivals gezeigt wurden.

Erinnerung und Vision. Kino aus Israel nach dem 7\. Oktober ’23

von Frank Stern

Die kreativen Filme, die über den 7. Oktober 2023 entstanden, fertiggestellt wurden, auf Festivals in Jerusalem, Tel Aviv, Haifa, Sderot und in Kinos gezeigt wurden, sind einmalige Zeitbilder. Nichts in der israelischen Kultur ist so, wie es vor dem 7. Oktober war, und das trifft unübersehbar auf die neueren israelischen Filme zu. Vier Entwicklungen sind besonders auffallend: Erstens ist es vor allem die jüngere Generation, die sich im weitesten Sinne des Filmschaffens der gegenwärtigen Situation, den Folgen des 7. Oktober zuwendet, nach Antworten sucht und die Spannung zwischen Gefühl und Geschichte auf die Leinwand bringt. Zweitens schafft die israelische Filmgemeinschaft etwas, womit sich andere Bereiche noch schwertun. Das Ausmaß der Lang- und Kurzfilme, in denen es sowohl eine Zusammenarbeit von säkularen und religiösen Israelis aller Richtungen, von jüdischen und palästinensischen Filmschaffenden gibt, von jungen Filmenthusiasten drusischer, äthiopischer und beduinischer Herkunft, nimmt auch bei den dramatischen, emotionalen und satirischen Filmen zu. Drittens sind die Filme der jungen Absolvent:innen der Filmschulen beindruckend und zeigen, dass der heutige israelische Kurzfilm neue Wege beschreitet, Gewohntes infrage stellt und cineastisch gekonnt provoziert.
Viertens nehmen immer mehr Frauen auf dem Sessel des Regisseurs Platz. Nicht zufällig ist die Mehrzahl der folgenden Filme von Regisseurinnen produziert. Filmpower ist in Israel vor allem Womanpower.

Der neuere israelische Film und seine Filmschaffenden zeigen uns, dass die reale visuelle Utopie trotz aller schmerzhaften Erfahrungen seit dem 7. Oktober 2023 der Wirklichkeit vorauseilt, Erinnerung und Vision verbindet. Und dazu ist Film da.

Die Filmreihe ist eine Kooperation mit der Jerusalem Cinematheque, dem Jüdischen Filmfestival Jerusalem, israelischen Regisseurinnen, der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, der Botschaft des Staates Israel, der FilmUni Wien, dem Institut für Judaistik an der Universität Wien, dem Jüdischen Filmclub Wien und dem Filmarchiv Austria.

Di, 17. März - Di, 24. März
Di, 17.3., 18:30
Erinnerung und Vision.
No Cakes from the Homefront
Als der Jom-Kippur-Krieg im Oktober 1973 mit dem Angriff von Ägypten und Syrien über Israel hereinbrach, wurden über 350.000 Reservisten eingezogen. Innerhalb von 72 Stunden waren die israelischen Frauen in einer Welt ohne Männer – und das für acht lange Monate. Das Besondere des Films liegt in der das Nachdenken anregenden Verflechtung der Stimmen der israelischen Ministerpräsidentin Golda Meir und der ägyptischen First Lady Jihan Sadat mit den Stimmen israelischer Frauen aus allen Schichten. H
Mi, 18.3., 19:00
Erinnerung und Vision.
Al klavim veanashim OF DOGS AND MEN
Die sechzehnjährige Dar kehrt zu ihrem Kibbuz zurück, um ihren Hund zu suchen, den sie seit den Terrorangriffen vermisst. Sie ist mit den Nachwirkungen des Massakers an den Bewohner:innen ihrer Gemeinschaft konfrontiert, mit dem Grauen, das die Gesichter der Überlebenden zeichnet. Sie wird Zeuge jener Realität, die sie von Weitem jenseits der Grenze zu Gaza wahrnimmt. Dar versucht ihren Hund zu finden, aber auch ihre eigene Stimme. In HOTEL SANCTUARY erzählt eine weibliche Stimme die Geschichte
Do, 19.3., 18:30
Erinnerung und Vision.
Bella
Yaki entdeckt, dass sein verschmähtes Erbe eine wertvolle Taube ist. Sie ist allerdings jenseits der Grenze auf palästinensischem Gebiet bei Angehörigen seines Freundes. Die beiden und ihre Frauen, also ein jüdisches und ein palästinensisches Paar, begeben sich auf einen Roadtrip zwischen Israel und Gebieten der Palästinensischen Autonomie. Die Taube ist natürlich weiß … Das unglaublich gekonnte Zusammenspiel der jüdischen und palästinensischen Darsteller:innen ist beeindruckend. Um ein religiö
Sa, 21.3., 18:30
Erinnerung und Vision.
My One and Only
Wer glaubt eigentlich an Dybbuks in einem aufgeklärten israelischen Stadtviertel? Eine junge Frau erklärt, dass ihr Mann durch einen Doppelgänger ersetzt worden sei. Der Rabbiner hofft auf Erklärungen im Talmud, seine Frau auf mystische Psychologie. Unterschied aus zwischen Sich-Verlieben und Liebend-Bleiben, bzw. was geschieht dazwischen? Ein wenig magischer Realismus, und es kann durchaus sein, dass wir mit einem anderen Partner oder einer anderen Partnerin das Kino verlassen, als wir hinein g
So, 22.3., 18:30
Erinnerung und Vision.
Eid
Eid, ein junger Mann aus der Beduinenstadt Rahat im Negev träumt davon, Theaterstücke zu schreiben. Doch seine Familie hat andere Pläne, er muss eine arrangierte Ehe eingehen und lässt sich voll Verzweiflung auf einen Handel mit seiner Frau ein: ein Kind für seine Freiheit. Jerusalem Film Festival 2024: Bester Israelischer Film. In HALF A DATE bemüht sich ein ultra-orthodoxer Student in einem Rekrutierungsbüro mit der zuständigen Offizierin, seinen Militärdienst zu verschieben. Charmantes Chaos.
Mo, 23.3., 18:30
Erinnerung und Vision.
Nandauri THE HEART LONGS TO RETURN
Eine israelische Anwältin kehrt nach Georgien zurück, um ein von seiner nach Israel ausgewanderten Mutter zurückgelassenes Kind aufzufinden. Die entstehenden Spannungen, die Fragen nach Zugehörigkeit und emotionalen Bindungen werfen die Beteiligten in einen Wirbelwind der Bürokratie und der Gefühle. UK Jewish Film Festival 2025: Bester Film, fünf Ophir Awards, inkl. Beste Regie und Beste Darstellerin, Jerusalem Film Festival 2025: Bester Debütfilm und Beste Kamera. Um die Poesie des Kochens geh
Di, 24.3., 18:30
Erinnerung und Vision.
Girls Like Us
Shahar lebt in einem der sehr rauen Viertel im Süden Tel Avis mit ihrer dysfunktionalen Familie. Ihr geschiedener Vater ist in einem psychiatrischen Wohnheim, ihre alkoholabhängige Mutter träumt von einer neuen Ehe. Die reguläre Schule musste Shahar verlassen und lernt nun in »Gila’s Haus«, einer alternativen Schule für risikogefährdete Mädchen. Drei Ophir Awards der Israel Film Academy 2025. SOULSISTER begleitet Yael, die versucht, alles perfekt zu gestalten, als Galit, ihre Schwester, zum Sch