»Der rote Faden drängt die Einzelheit sehr weg. Nirgendwo ist eine Wirklichkeit zu erahnen.« Ein Grundsatz aus Kluges Werk, der in seinem Spielfilmdebüt den Ton des deutschen Autorenkinos setzt. Episodenhaftes und assoziatives Erzählen, vom eiszeitlichen Mammut, das die Gegenwart mit Frost versorgt, von Momentaufnahmen der Anita G., die im Bett die Nationalhymne summt oder Volkssouveränität im Intellektuellenkreis studieren will. Sie eckt an und landet mehrere Male vor Gericht. Dabei ist Anita nicht schuldig, sondern verkörpert die Verdrängung des Vergangenen. Wo Textfragmente mit semidokumentarischen Szenen und Spielfilmelementen kollidieren, blitzt die Gesellschaft als Dauerkrise auf, und die filmische Form wird zum Ausdruck von Anitas Orientierungslosigkeit und Entfremdung im Alltag. (Lien May Lucas)