Ein Gutsbesitzer wirft ein Auge auf seine Nichte, eine junge Novizin, die ihr Leben ganz dem Dienst an Gott widmen möchte und den Onkel daher abblitzen lässt. Als dieser daraufhin Selbstmord begeht, errichtet sie auf seinem Gut ein Obdachlosenasyl. Doch der Akt der Nächstenliebe gerät aus den Fugen. Das »Abendmahl« der Bettler führt zur Orgie – und einerseits zum sofortigen Verbot des Films in Spanien, andererseits zur Goldenen Palme 1961. Buñuel erzählt von Menschen, die Gutes tun wollen und an der Wirklichkeit scheitern. »Ein wenig menschliche Wärme« möchte Viridiana ihren Schützlingen geben – doch deren Bedürfnisse lassen sich nicht an moralischen Vorstellungen messen. Zwischen Religionskritik und schwarzem Humor entsteht das bitter-burleske Bild einer Gesellschaft, die sich selbst nicht mehr versteht. _(Florian Widegger)