Seit über drei Jahrzehnten ist der 1951 im Mühlviertel geborene Pianist Gerhard Gruber gern gesehener Gast und profilierter Stummfilmbegleiter – nicht nur in unserem Haus. Ursprünglich fasziniert ihn Jazzmusik, seine Neugierde führt ihn jedoch früh zum Kino, wo er sich bald einen Namen als Spezialist für die Klassiker des frühen Kinos macht. Internationale Festivalauftritte, Kooperationen mit Archiven und Kinematheken sowie zahllose Einladungen zu Retrospektiven, die ihn um den ganzen Globus führen, markieren wichtige Stationen einer Karriere, die ganz im Zeichen des Dialogs von Bild und Klang steht.
»Ich versuche, das Klavier wie ein Orchester zu spielen«, sagt er – und tatsächlich entfaltet er am Instrument eine erstaunliche Bandbreite, die von fein ziselierten, kammermusikalischen Passagen bis hin zu wuchtigen Akkordkaskaden reicht. Zentral ist dabei die Improvisation, ohne dabei beliebig zu sein. Sie speist sich aus der genauen Kenntnis der Dramaturgie, aus Rhythmusgefühl und einem ausgeprägten Gespür für atmosphärische Nuancen. Gruber versteht seine Arbeit nämlich nicht als bloße Untermalung, sondern als eigenständige künstlerische Interpretation.
Besonderes Augenmerk legt er dabei auf die innere Bewegung eines Films: Tempo, Atem, Pausen. Seine Musik entsteht aus der Struktur der Bilder heraus, wie anhand der vier Filme, die Gruber für dieses Tribute ausgewählt hat, hörbar wird. In ORLAC’S HÄNDE etwa reflektiert er die Identitätskrise des Pianisten mit den »eigenen« Händen – eine bewusste Spiegelung von Filmfigur und Interpret. Für DIE STADT OHNE JUDEN wiederum wählt er eine »behutsame Herangehensweise«, die individuelle Schicksale betont und zugleich die politische Dimension des Stoffes erfahrbar macht, ohne sie plakativ zu akzentuieren. Und wenn Monumentalfilme wie DIE SKLAVENKÖNIGIN nach klanglicher Opulenz verlangen, treibt er das Geschehen pulsierend voran, ohne die emotionale Feinzeichnung aus dem Blick zu verlieren. Er hört den Filmen zu, bevor er sie zum Klingen bringt und achtet dabei auf Zwischentöne, auf Brüche, auf das, was sich zwischen zwei Einstellungen ereignet.
Seine Begleitungen sind niemals festgeschrieben, sondern entstehen im Moment – und machen jede Aufführung zu einem unwiederholbaren Ereignis. So wird das Kino wieder zu dem, was es einst war: ein lebendiger Raum, in dem Musik und Bild einander herausfordern, kommentieren, widersprechen – und gemeinsam etwas Drittes entstehen lassen. Wir freuen uns auf diese vier Abende mit der Musik von Gerhard Gruber – und auf viele weitere, die ihnen noch folgen mögen.